Hörspiele beeinflussen kognitive Fähigkeiten positiv!

von: Andrea Niebel

Warum das so ist und wie Sie dies Wissen zur Leistungssteigerung nutzen können, wird im Folgenden erklärt.

Ein großer Schatz an Erfahrungswissen fördert den Spaß am Lernen und erleichtert das Merken und das Erinnern neuer Informationen, das wusste schon Piaget, ein bekannter Pionier in der kognitiven Entwicklungspsychologie. 

Hör-Geschichten phantasiereich selber zu entwickeln und sie mit Sprache, Geräuschen, Musik und Klängen als „Filme für die Ohren“ zu inszenieren, haben eine hohe Faszinationskraft. Sie stärken die spielerische Neugier, die sprachliche Kompetenz und die Zuhörfähigkeit unserer Kinder.

Warum ist es so wichtig, dass Kinder möglichst viele Lernerfahrungen selber machen dürfen? 

Kinder sind von Natur aus neugierig! Am besten lernen Kinder, wenn möglichst viele Sinne aktiviert werden und wenn sie selber handeln. Das wusste schon der Lernforscher Frederic Vester und hat hierzu einen Satz geprägt: „Lernen ist ein biologischer Prozess, bei dem geistige, psychische und körperliche Vorgänge untrennbar miteinander verbunden sind.“

       

Lernen durch „selber machen“

Laufen lernen geht nur, wenn kleine Kinder es selbständig tun. Ihr Körper lernt durch unzähliges Hinfallen und Aufstehen, die Kräfte und Muskeln so zu steuern, dass sie auf zwei Beinen die Balance halten und auch noch Schritte tun können. Niemand würde auf die Idee kommen, ihnen zu erklären wie das Laufen in seinen Abläufen funktioniert und Kinder auffordern, dieser Anleitung zu folgen. 

Wenn Kinder aktiv sind, passiert also einiges im Gehirn. Zu neuen Erfahrungen kommen neue Informationen hinzu. Das Netz der Nervenbahnen wird dichter.

 

Wenn Kinder heute groß werden…

…. dann erfahren und entdecken sie die Welt häufig nur noch aus „zweiter Hand“ (Fernsehen, Computer und Videospiele etc.). Sie sind meist weniger aktiv, bewegen sich weniger und machen weniger aktive Lernerfahrungen. 

Um die Welt zu „begreifen“, zu verstehen und zu ordnen, ist es jedoch erforderlich, dass Kinder so oft wie möglich intensive körperlich-sinnliche Erfahrungen machen. Ein Mangel des körperlich-sinnlichen „Begreifens“ kann widerum zu Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung, zu Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten führen.

Auch klagen Lehrende über z.T. fehlende Eigenständigkeit, mangelnde sprachliche Kompetenz und Fantasielosigkeit der Schüler im Schulalltag. 

 

Hörspiele haben eine besondere Faszination

Um den Geschichten nur über unser Gehör folgen zu können, sind unsere Synapsen im Gehirn gefragt. Während wir uns vor dem Fernseher oder über Videos von zahlreichen schnell wechselnden Bildern durch eine Geschichte tragen oder jagen lassen, findet die eigentliche Technik bei einem spannenden Hörspiel im Kopf statt.

Verpackt in Geschichten können Kindern zudem neue Sachverhalte und Wertvorstellungen vermittelt werden, indem sie spannend erzählt werden. Kinder tauchen in die Geschichten ein, identifizieren sich mit den Figuren und hören sie immer wieder von neuem an. Die Wiederholung langweilt sie nicht, sondern regt ganz im Gegenteil zur Verinnerlichung der erzählten Inhalte an. Um neue Lernerfahrungen oder das Faktenwissen bspw. langweiliger Jahreszahlen im Gehirn so abzuspeichern, dass wir es fast automatisch abrufen können, brauchen wir immer am besten positive, gefühlte Erlebnisse oder Geschichten und die Freude an der Wiederholung.

 

Das Verstehen kommt vor dem Lernen

Ein Weg, wie Sie Ihren Kindern bereichernde und aktive Lernerfahrungen ermöglichen, die Spaß machen, Neugier und Entdeckungsfreude wecken und gleichzeitig die Sprachkompetenz und Zuhörfähigkeit erhöhen, ist die eigenständige Entwicklung eines Hörspiels, am besten gemeinsam mit anderen Kindern. 

Hierzu bietet der Lernfuxx-Berlin ein Projekt in den Sommerferien an. Andrea Niebel ist die Entwicklerin des Lernfuxx-Trainingskonzeptes für Kinder, denen das Erlernen  des Lesens, Schreibens und Rechnens Schwierigkeiten macht. Aus Ihrem Erfahrungsschatz als Logopädin und Lerntherapeutin weiß sie um die Bedeutung und Wichtigkeit von Neugier, Spaß und Freude, um neue Lerninhalte besser erfassen und verinnerlichen zu können.

 

Hörspielend verstehen

Wenn Kinder unter Anleitung eigenständig ein Hörspiel entwickeln, entdecken sie ganz phantastische Dinge. Durch das Zusammenbringen von Geschichten und Geräuschen lernen Kinder Klänge zu erfahren. Sie hören bewusst hin wie und wie lange bspw. eine Geldmünze klingt, wenn sie auf den Tisch fällt. Münzen können aber auch dumpf rollen, laut prasseln, Geldscheine können zischelnd rascheln und geheimnisvoll knistern…. Jedes Geräusch erzählt eine Geschichte. So machen sich Kinder auch auf die Suche nach „dem richtigen Ton“, sie schlüpfen in Rollen, um ihre Geschichte zum Leben zu erwecken. Hierzu versuchen sie herauszufinden, wie sich ihre Hauptperson fühlt, welche Wörter sie benutzt und wie sie etwas sagen würde, wie sich die Stimme anhört und in welcher Stimmung sie ist. 

 

Sprachkompetenz, damit ein fesselndes Kopfkino entsteht!

Dies ist eine sehr komplexe Anforderung, denn die jungen Geschichtenerfinder müssen zahlreiche Zusammenhänge erkennen und miteinander in Beziehung setzten. Ganz nebenbei und mit viel Engagement schulen sie hierbei Ihre Empathiefähigkeit und ihr Hörverständnis, indem sie lustvoll bewusst hin- und zuhören. Durch das Fehlen der visuellen Formen und Bilder, müssen Kinder sich auch sehr viel intensiver auf Sprache einlassen und sich kreativ mit ihr auseinandersetzen. Somit sind sie ständig auf der Suche nach den treffenden Worten und den richtigen Satzgefügen. Wie im Spiel erweitern sie Ihren Wortschatz und ihre Grammatik-Kompetenz, indem sie die Bedeutung von Wörtern hinterfragen und diese im Satzzusammenhang in Beziehung setzen.

 

Hörfüxxe erleben ein Abenteuer in den Sommerferien

Wenn die Geschichte erst einmal entwickelt ist, die Geräusche und Stimmungen beschrieben und die Rollen geprobt wurden, ist das Erleben der Aufzeichnung der eigenen Geschichte in einem Tonstudio wie der Hörspielfabrik in Berlin ein absolutes Highlight. In einem nahezu schallisolierten Raum dicht vor einem großen Mikrofon zu stehen und in seine Rolle zu schlüpfen, den Text zu erinnern und zu sprechen, ist schon eine besondere Herausforderung und ein ergreifendes Erlebnis. Anschließend muss die Geschichte noch mit den passenden und originellen Geräuschen versehen und erlebbar gemacht werden.

                       

Deshalb erfüllt es nicht nur die Kinderproduzenten sondern auch deren Eltern mit großem Stolz, wenn sie am Ende ihr eigenes Hörspiel in den Händen halten. Sie werden sich ihre eigene Geschichte immer und immer wieder anhören und somit die positiven Lernerfahrungen noch vertiefen. Auch werden sie andere Hörgeschichten künftig intensiver und ausdauernder zuhören. Außerdem machen Hörspiele auch fit für das Lernen in der Schule! 

„Ganz nebenbei trainieren Hörspiele die Wahrnehmungsfähigkeit, das Hörverstehen und die Sprachkompetenz. Dabei unterstützen sie die Fähigkeit der Kinder konzentriert zuzuhören und somit auch den Lernstoff der Schule so zu verinnerlichen, dass sie ihn schnell wiedergeben und anwenden können, das finde ich großartig“, sagt Andrea Niebel.

 

 

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